Schulhund im Einsatz

Mit Juli, meiner jetzt zweijährigen Golden Retriever Hündin, habe ich vor einem halben Jahr die Begleithundeprüfung und die Therapie-Besuchshundeprüfung in der Hundeschule Marschall abgelegt. Bereits seit ich sie mit acht Wochen vom Züchter abgeholt habe, geht Juli fast täglich mit mir in die Grundschule. In den Unterricht begleitet sie mich meist zwei Stunden am Vormittag und während der Hausaufgaben. Die übrige Zeit verbringt sie, versorgt mit Wassernapf und Liegeplatz im Büro. Hier hat sie Ruhe für ein Schläfchen, kann aber auch im Türrahmen liegen und das Treiben auf dem Flur des Verwaltungstraktes beobachten. Immer wieder kommen Sekretärin und Hausmeister oder Kollegen vorbei und verteilen Streicheleinheiten, die Juli sehr genießt. Die Schule liegt am Ortsrand, so dass immer wieder kleine Spaziergänge durch die angrenzenden Obstwiesen möglich sind.

Die Kinder meiner Klasse wurden am Ende des ersten Schuljahres, kurz vor Julis Eintreffen ausgiebig auf die „neue Mitschülerin“ vorbereitet. Auch die Eltern wurden informiert und haben schriftlich zugestimmt, dass der Hund mit in den Unterricht kommen darf und dass ihr Kind nicht allergisch ist. Wir haben im Rahmen des Sachunterrichts das Thema Hund bearbeitet. Über die Abstammung vom Wolf und daraus abzuleitende Verhaltensweisen, sowie die sensiblen Sinnesorgane wurde gesprochen, die Kinder lernten die Bedürfnisse und die Körpersprache ebenso wie Fressgewohnheiten des Hundes kennen. So verstanden die Kinder schnell, dass Juli ihr Pausenbrot zwar gerne fressen, dieses ihr aber nicht so gut vertragen würde. Auch dass Hunde viel besser hören können, als wir Menschen beeindruckte sehr, so dass schnell klar war, dass der Geräuschpegel während des Unterrichtes an den jungen Hund angepasst werden muss. Hier korrigieren sich die Kinder bis heute gegenseitig. Auch der Vergleich, dass man selbst es nicht mag, wenn fremde Menschen einem über das Gesicht streicheln, konnten die Kleinen auf den Hund übertragen. Sie stellten selbstständig die Regel auf, dass nie mehr als zwei Kinderhände den Hund am Körper, nicht aber am Kopf kraulen sollten.

Im Klassenraum hat Juli ihren Platz neben meinem Pult. Sie ist immer angeleint, dass Kinder, die sich dem Hund nicht so verbunden fühlen, nicht belästigt werden. Während des offenen Anfangs haben die Kinder, die Möglichkeit Juli zu kraulen, hier entstehen oft nette Gespräche untereinander und Fragen zum Hund werden an mich gerichtet. Jeden Montag sitzt Juli mit im Erzählkreis und meine Klasse besteht stets darauf zu erfahren, was sie am Wochenende erlebt hat. So erfuhren sie viel über Julis erste Schwimmversuche, ihre Liebe zum Apportieren und Hundeschulerlebnisse und fieberten mit, als die Prüfungen bevor standen. In der Klasse hat Juli geübt, trotz Ablenkung durch herumlaufende Schüler, herunterfallende Dinge und vieler Geräusche und Gerüche, an ihrem Platz liegen zu bleiben. So hatten alle Anteil an der bestandenen BH Prüfung.

Gelegentlich unternehmen wir einen Hundespaziergang. Bevor wir losgehen, wiederholen wir stets die zu beachtenden Regeln wie nicht rennen, den Hund im Auge behalten, keine Stöcke hochhalten oder nicht ständig nach dem Hund rufen. Die Kinder ergänzen selbstständig die Erklärungen, warum es diese Regeln gibt. Dies hilft hoffentlich, dass sie sich auch in ihrer Freizeit anderen Hunden gegenüber entsprechend richtig verhalten.

Letztlich therapiert mein Hund keine Kinder, durch Julis Anwesenheit im Klassenraum entsteht aber eine angenehme, von Freundlichkeit und Ruhe geprägte Atmosphäre. Zudem sind meine Kinder stolz darauf, die Klasse mit dem Schulhund zu sein, was den Zusammenhalt stärkt. Die übrigen Kinder der Schule kennen Juli natürlich auch, freuen sich immer sie zu sehen oder besuchen uns im Büro. Alle haben gelernt mich zu fragen, bevor sie den Hund streicheln und können warten, bis sie an der Reihe sind.
Erklärend ergänzen möchte ich, dass es einen Unterschied zum Schulbesuchshund gibt. Dieser geht nicht täglich in die Schule, sondern kommt nur zu bestimmten Zeitpunkten an denen sich eine Klasse oder Gruppe dann ausgiebig mit dem Hund beschäftigen, ähnlich wie bei Besuchen im Alten- oder Behindertenheim. Dies könnte zum Beispiel im Rahmen des Sachunterrichts zum Thema Haustiere oder in einer Arbeitsgemeinschaft in der Ganztagsschule eingeplant werden. Auch unsere Sozialtherapeuten, die mit Kindern aus schwierigen häuslichen Verhältnissen arbeiten, haben Interesse bekundet, Therapie-Besuchshunde einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Christiane mit Juli