Cäsar im Seniorenheim

Im letzten Jahr habe ich mit meinem Golden Retriever Cäsar eine Ausbildung zum Therapie- und Besuchshund in der Tierpsychologischen Hundeschule Marschall erfolgreich abgeschlossen. Bereits während des Kurses bemerkte ich, dass Cäsar sich im Seniorenheim am wohlsten fühlte. Anfang dieses Jahres schrieb ich dann eine kleine Bewerbung für uns, als ehrenamtliches Mensch-Hund-Team an das AWO-Seniorenzentrum in Wörrstadt. Dort wurden wir dann wenige Wochen später mit viel Freude empfangen.

Mittlerweile sind wir alle drei Wochen mittwochs dort im Einsatz und besuchen, je nach Tagesverfassung von Cäsar und den Bewohnern, eine bis zwei der drei Stationen. Schon vor unserer Abfahrt zu Hause ist Cäsar ganz aufgeregt und kann es kaum erwarten. Jedoch machen wir kurz vor unserer Ankunft noch einen kurzen Abstecher im Feld, dass Cäsar sich noch einmal lösen kann. Bei unserer Ankunft bringe ich zunächst unser Equipment ins Büro des sozialen Dienstes und bespreche mich kurz mit einer der Leiterinnen. Dann hole ich Cäsar aus dem Auto. Er weiß schon wo es langgeht und würde am liebsten alleine loslaufen, um die nette Dame am Empfang und die Damen vom sozialen Dienst zu begrüßen, aber diesen Weg geht er natürlich brav bei Fuß neben mir – wir wollen ja die Bewohner nicht erschrecken, die uns unterwegs begegnen. Nachdem dann mein Hund ebenfalls begrüßt wurde, gehen wir gemeinsam mit einer Mitarbeiterin oder einer Praktikantin auf eine Station. Dort lege ich dann in einem Aufenthaltsraum, der als Wohnzimmer gestaltet ist, zwei rutschfeste Decken aus. Die eine ist zum Ablegen für Cäsar wenn er Pause hat und die andere als Unterlage für unsere Spiele und Vorführungen, die Aktionsdecke. Die Mitarbeiterinnen des Seniorenheims bringen in der Zwischenzeit vier bis acht Bewohner zu mir, die an diesem Tag den Hund gerne sehen wollen. Die meisten der Bewohner und Bewohnerinnen des AWO-Seniorenzentrums sind Demenzkrank. Immerhin kann sich die eine oder andere noch an unseren letzten Besuch erinnern und ich freue mich immer, wenn sie den Namen meines Hundes noch kennen. Trotzdem stelle ich mich und Cäsar noch einmal vor. Meistens wirft dann jemand der Bewohner eine Geschichte von einem Hund ein, den er oder sie früher einmal besessen haben. Oft hört man von einem Bewohner dieselbe Geschichte immer wieder, aber das stört uns ja nicht.

Aus meiner großen IKEA-Tragetasche (die sich mittlerweile wirklich als sehr praktisch erwiesen hat) hole ich das Zubehör für das erste Spiel heraus. Das sind zum Beispiel drei verschiedenfarbige Becher, dazu ein Leckerli. Ich gehe auf einen der Bewohner zu und bitte sie für Cäsar ein Leckerli in einem der Becher zu verstecken. Meistens höre ich den Satz „Ich nehme rot wie die Liebe.“ Die Becher verteile ich dann auf der Aktionsdecke und gebe Cäsar den Befehl nach dem Leckerli zu suchen. Wenn er es sofort findet, freuen sich die Bewohner immer über den „schlauen Hund“, wenn er etwas länger braucht fiebern sie mit und freuen sich, sobald er den richtigen Becher gefunden hat. Eine der Bewohnerinnen hat Cäsar besonders ins Herz geschlossen. Sie kommentiert alle Spiele und Aktionen, die er macht mit sehr viel Freude.

Für ein anderes Spiel, das wir gerne mit den Bewohnern machen, lege ich einen Hula-Hup-Reifen auf die Aktionsdecke und bitte einen Bewohner für Cäsar ein Spielzeug hineinzuwerfen. Ist ein Bewohner körperlich nicht mehr ganz so fit, um etwas zu werfen, übernehme ich oder eine der Mitarbeiterinnen das für ihn oder sie, was für die Person dann trotzdem ein Erfolgserlebnis ist. Neulich hatte ich eine Dame dabei, die zwar körperlich noch fit war, sich aber nicht getraut hat zu werfen. Sie meinte, sie würde das niemals treffen. Ich habe sie ermutigt, indem ich ihr sagte, dass ich das Spielzeug für sie dann in den Reifen legen würde. Sie warf und hat tatsächlich getroffen, was sie prompt mit einem Jubelruf Kund gab. Wir haben natürlich alle Beifall geklatscht.

Da Cäsar ein sehr verschmuster Zeitgenosse ist und es liebt zwischendurch gestreichelt zu werden, machen wir immer kurze Pausen zwischendurch und Jeder, der möchte, darf ihn streicheln. Bei so einer Pause hatten wir neulich ein besonderes Erlebnis: Eine Bewohnerin, die geistig und körperlich nicht mehr so fit ist, war zu Beginn unseres Besuches sehr angespannt. Kurz bevor wir uns verabschieden wollte gestikulierte sie mit ihrer Hand in Richtung Cäsar. Ich fragte sie, ob sie ihn streicheln wolle. Ihre Antwort habe ich leider nicht verstanden, aber sie hat immer wieder versucht ihre Hand zu heben. Ihr Gesicht entspannte sich auch immer mehr. Ich wartete einen Moment ab und ging mit Cäsar zunächst zu der Bewohnerin, die neben ihr saß, habe sie aber nicht aus den Augen gelassen. Als ich mich dann mit Cäsar wieder zu ihr wandte, schaffte sie es ihren Arm auszustrecken und ich half ihr noch dabei Cäsar zu berühren. Plötzlich ging sogar ein Strahlen über ihr Gesicht! Wie schön!

Lustig sind auch immer Sätze der Bewohner wie: „Ach ist der Cäsar ein schöner Kerl. Wenn das ein junger Mann wäre…“ oder „Der kann ja sogar mit den Augen zwinkern, der ist etwas ganz Besonderes.“

Es gibt auch zwei Schwestern in diesem Seniorenheim, die offensichtlich geistig behindert und Dement sind. Diesen beiden Damen statten wir hin und wieder einen Einzelbesuch ab. Auch wenn Niemand versteht, was die Beiden sagen, so ist es sehr offensichtlich, wie sie sich freuen, wenn sie Cäsar sehen. Sie streicheln und beschmusen ihn und er genießt es einfach.

Oft verstehen auch die Bewohner nicht, wenn man sagt, dass man mit dem Hund da ist. Doch wenn sie ihn dann sehen und ein breites Lächeln auf ihren Lippen erscheint, dann braucht es auch nicht mehr vieler Worte.

Es ist zwar sehr schade, dass ich aufgrund meiner Arbeitszeiten nicht mehr Zeit für die Besuche mit Cäsar im Seniorenheim habe, aber die Dankbarkeit, die wir alle drei Wochen in dieser Stunde erfahren, lohnt sich allemal.

Viele Grüße Barbara & Cäsar