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Wetten, dass...? – Tagebuch
Wie den meisten bekannt, wohne ich im romantischen Soonwald, sehr ländlich gelegen, mit meinen drei Labrador-Retrievern Timberly, Vita und Dyos. Unseren beruflichen Alltag lassen wir jeden Abend mit einem gemeinsamen Spaziergang ausklingen. Fernab von der Zivilisation gehen wir in der kalten Jahreszeit auch im Dunkeln spazieren. Während einer unserer häufigen Schmuseeinheiten fiel mir auf, dass sich die Ohren meiner Hunde trotz Rassengleichheit unterschiedlich anfühlen, sie unterscheiden sich in Größe, Dicke und Länge. Auf weiteren Spaziergängen schloss ich beim Schmusen mit meinen Hunden bewusst meine Augen, um zu erfühlen, um welchen Hund es sich handelte. Spontan kam mir der Gedanke, dass ich eigentlich mal bei Wetten, dass…? mitmachen könnte. Der Grundstein für unsere Wette war gelegt. Immer wieder verschob ich die Umsetzung meiner Idee mit ‚Ich habe keine Zeit’ oder ‚irgendwann einmal...’. Wie es der Zufall so wollte, hatte ich dann im Dezember 2010 die Gelegenheit, live im Publikum bei der Wetten, dass…?-Show in Düsseldorf zu sitzen, bei der es zu dem tragischen Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch kam. Obwohl die Sendung natürlich abgebrochen wurde, beeindruckte mich damals die Souveränität Thomas Gottschalks sehr. Wie er in dieser außergewöhnlichen Lage mit dem Publikum im Saal und der Situation an sich trotz seiner eigenen Betroffenheit umging, war für mich unvergesslich. Als Mensch hat er mich tief beeindruckt. Die Zeit verging weiter und immer wieder kreisten meine Gedanken um eine eventuelle Wette. Umso betroffener war ich, als es hieß, dass mit der Sommersendung aus Mallorca die Wetten, dass…?-Ära zu Ende gehen sollte. Ich bereute es, mein Vorhaben nicht gestartet zu haben und mich als Wettkandidat beworben zu haben. Kurz darauf hieß es, dass noch drei weitere Sendungen folgen sollten, im Oktober, November und Dezember 2011. Während der Mallorca-Sendung, die ich mir natürlich anschaute, saß ich mit Hummeln im Hintern auf dem Sofa und dachte nur: Jetzt oder nie! An diesem Abend fasste ich meinen Entschluss, jetzt meinen Traum umzusetzen und mich endlich als Wettkandidatin zu bewerben. Gesagt, getan, schnell war ein Wetten, dass…?-Plakat in einer abendlichen Malaktion hergestellt, und am nächsten Tag verfasste ich eine Rundmail, die ich an vierzig Labrador-Besitzer schickte, in der ich mein Vorhaben ankündigte und um Unterstützung bat. Mitte Juni Hier gibt es das Bewerbungsvideo in voller Länge als Download!!! Es vergehen etliche Tage ohne Reaktion. Dann endlich der ersehnte Anruf: Grundsätzlich besteht Interesse an der Wette, aber es ist nicht skurril und witzig genug. Hm, was tun? Zähe Verhandlungen beginnen: Vorschläge vom ZDF, die Hunde nur an der rechten Vorderpfote oder nur am Schwanz zu erkennen, werden als unrealistisch eingestuft. Außerdem versuche ich, die Bedenken seitens des ZDF zu zerstreuen, dass eine solch große Hundegruppe für zuviel Unruhe am Set sorgen könnte. Ich glaube, dort weiß niemand, dass Hunde auch gut erzogen sein können. Ein Termin hier vor Ort muss her: Die ZDF-Redakteurin Simone Barthel meldet sich an, um sich die ganze Mensch-Hund-Truppe mal von Nahem anzuschauen. An diesem Tag bin ich natürlich sehr aufgeregt, denn hier könnte mein Traum schon sein Ende haben, bevor die Sache überhaupt richtig angefangen hat. Simone stellt sich als supernetter Lockenkopf heraus, der von unseren braven Hunden zunächst beeindruckt ist. Obwohl ich bei diesen Proben reichlich unsicher bin und einige Hunde nicht erkenne, scheint Simone trotzdem an eine erfolgreiche Wette zu glauben. In der anschließenden kleinen Kaffeerunde erkläre ich ihr die Ursache meiner hohen Fehlerquote, die darin begründet ist, dass 40 Hunde im Gespräch sind und der genaue Ablauf der Wette noch nicht festgelegt ist. Sie wird sie auf jeden Fall in großer Runde bei der nächsten Redaktionssitzung vorstellen. Hierzu katalogisieren wir die nun 23 ausgewählten Hunde. Sie werden in sitzender Haltung und in Form eines Portraits fotografiert, um zu zeigen, wie ähnlich die Hunde sich sind. Ich muss mich also nun in Geduld üben, bis ich eine Reaktion erhalte. Da dies aber gar nicht meine Stärke ist, wie viele wissen, beginne ich bereits mit dem strukturierten Üben. Die Termine werden sorgfältig geplant und bekannt gegeben, die endgültigen Mensch-Hund-Teams ausgesucht, ein Abtastschema erstellt, Rampen für den Hundetisch gekauft usw. Simone gibt immer Zwischenbericht, erst mal ‚Weitermachen’ heißt es, aber ohne feste Zusage. Inzwischen haben wir uns geeinigt, dass die Wette also heißen soll: Ich erkenne 5 aus 20 Labradoren (nur noch gelb oder schwarz) mit verbundenen Augen nur durch Betasten des Kopfes und am Geruch des Atems. Damit kann ich leben! Das Maulöffnen und Riechen sieht natürlich witzig aus, muss aber auch mit dem Hund geübt werden, genau wie das Stillhalten zum Betasten des Kopfes. Es folgen unzählige Trainingsstunden den ganzen Sommer über bei Wind und Wetter, auf dem Hundeplatz und im Wald, bei denen ich mir zu jedem Hund Besonderheiten notiere und merke. Ich fertige mir unterschiedliche Listen an und lerne die Merkmale jedes einzelnen Hundes auswendig. Nachdem wir bei einem Sommergewitter-Platzregen so übel nass geworden sind, dass wir das Üben abbrechen mussten, habe ich kurzerhand ein Zelt ausgeliehen und die Trainingseinheiten in den Schinderhannesraum verlegt, das Zelt unmittelbar davor aufbauen lassen, so dass für alle Menschen und Hunde immer Platz genug ist. Es ist ganz schön schwierig, sich die Merkmale jedes einzelnen Hundes zu behalten und einzuordnen und an manchen Tagen, wo die Konzentration nach einem langen Arbeitstag einfach nicht mehr da ist, bin ich ganz schön niedergeschlagen. Aber üben, üben, üben! Und so langsam klappt es immer besser. Zwischendurch telefoniere ich regelmäßig mit Simone, die mir nur immer sagen kann, ja, wir sind noch im Rennen, weitermachen, aber ohne definitive Zusage. 11.10.2011 Nachdem ich mich bei allen Anwesenden bedankt habe, sitze ich noch lange mit Simone in meinem Wohnzimmer und gehe etliche Details durch. Noch kann sie mir keine definitive Zusage geben, schließlich wird in einer großen Runde entschieden, und bittet mich noch um einige Tage Geduld, aber sie hat ein gutes Bauchgefühl, und ich ehrlich gesagt auch. Sie fotografiert noch die Leinen und Halsbänder, um einheitliche für alle zu bestellen, da alle in der Sendung die gleichen tragen sollen, damit die Hunde nicht an den Halsbänder erkannt werden können. Simone erzählt mir, dass das Bühnenbild wie eine Schulklasse aufgebaut werden und ich die Hundeschullehrerin sein soll. Auf Anhieb finde ich diese Idee witzig! Ein aufregender Tag geht zu Ende. Ob es wohl klappen wird? 16.10.2011 17.10.2011 18. bis 21.10.2011 30.10.2011 01.11.2011 Generalprobe wieder in der Schule in Argenschwang! Heute Nacht habe ich zum ersten Mal von Wetten, dass …? geträumt. Ich sollte Autos erkennen und hatte die noch nie vorher gesehen und alles ging schief… Schnauf! Die Generalprobe fing gleich mit zwei nicht erkannten Hunden an. Leo und Mika, die bei den letzten Übungstagen nicht dabei waren... Mika und Yustus z. B. reisen mit ihrer Besitzerin Christine zum wiederholten Mal vom Bodensee an und konnten deswegen nicht an jedem Übungstreffen teilnehmen. Meine Laune sinkt natürlich gleich in den Keller... Okay, tief Luft holen, einen Schluck trinken, und weiter geht’s. Mit Leo tue ich mich weiter schwer, aber die anderen erkenne ich Gott sei Dank wie gehabt. Großes Gepfeife und Gejohle als ich endlich dann auch Leo erkenne. Wir üben auch wieder das ‚Einlaufen’ und in Reihen aufstellen, das klappt wirklich gut. Auch beim zweiten Durchgang sind noch einige Wackelkandidaten dabei. Ich bin recht angespannt und gehe ziemlich unzufrieden aus der Generalprobe raus. Toll ist, dass die Gruppe mittlerweile ein richtig eingeschworenes Team geworden ist. Jeder hilft, wo er kann und denkt mit und freut sich und spricht mir Mut zu. Morgen geht’s wirklich los gen Leipzig! Ich bin sooo gespannt auf die nächsten Tage... 02.11.2011 03.11.2011 Simone ist zwischendurch auch gekommen, hat uns herzlich begrüßt und geholfen, wo Not am Mann war. Lisa führt uns nun in die Messehalle, wo eine Kantine schon leckere Essensdüfte verbreitet. Wir laufen mit unseren Hunden im Gänsemarsch in die Messehalle ein und erstaunen alle in der Kantine sitzenden Leute mit unseren wohlerzogenen Hunden, die so schön ‚bei Fuß’ gehen. Ich kann es kaum glauben, dass wir wirklich hier sind und in der Sendung auftreten werden. Die Dimensionen und Eindrücke beeindrucken mich zutiefst. Staunend laufen wir durch die Kulissen und sehen nun endlich in echt unser ‚Hundeklassenzimmer’. Es ist bestückt mit wunderschönen liebevollen Details. Die Bilder sprechen für sich. Die Sitzreihenfolge wird nun festgelegt und es sieht sooo witzig aus, wenn alle Schulbänke mit Mensch und Hund besetzt sind. Allerdings kippt die ein oder andere Bank, als die Hunde ihre Sitzposition einnehmen wollen. Postwendend werden sie festgeschraubt. Außerdem wird vor und nach der Rampe zum Auf- und Abstieg für die Hunde eine schwarze Gummimatte platziert. Und jetzt kommt auch die echte Wetten, dass...?-Brille ins Spiel! Sieht voll toll aus, auf jedem Auge einen Hund sitzen zu haben. Schnauf! Was macht man nicht alles... Bevor auch nur ansatzweise jeder Mal die Rampe ausprobiert hat, werden wir auch schon aus dem Bühnenbild verscheucht, denn jetzt wird alles aus den Kulissen auf die Bühne geschoben, denn die tatsächliche Probe soll gleich beginnen. Ich hab aber noch gar kein Kostüm an. Schnell, schnell jage ich mit der Schneiderin (Jutta) in den Kostümcontainer und werde eingekleidet. Alles wie besprochen im englischen Stil mit schönen Stiefeln, die mir zu groß sind, aber egal, einer Bluse mit Lederflicken, die mir zu groß ist, aber egal, und einer schicken karierten Weste, die mir zu groß ist, aber egal... Das wird über Nacht alles noch angepasst und abgenäht, Einlage und dicke Socken bringen auch die Stiefel zum Passen. Ich fühle mich aber gleich wohl, denn der Look passt zu mir und lässt mich absolut authentisch aussehen. Hurtig noch zum Tonmenschen, der mich mit Mikrofon bestückt und verkabelt und dann komme ich gleich auf die Bühne. Die Lichtdoubles, die Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker verkörpern, moderieren mich an und schwupps komme ich strahlend durch den Wetten, dass...?-Tunnel gestiefelt. Moment, passiert das gerade wirklich????????? Ich kanns noch kaum glauben... Aber jetzt Konzentration, denn ich werde jetzt ja interviewt, was ich denn beruflich mache, wo ich wohne und wie ich auf die Wette komme. Und als das Stichwort Hundetrainerin und Hundepsychologin fällt, muss es ja kommen! Ach, meint die Stellvertreter-Michelle, wie der Hundeprofi im Fernsehen?? Ich GLAUB es nicht! Gepruste von der ersten Reihe, denn dort sitzen meine Begleitpersonen, die ja wissen, dass ich nichts von effekthaschender punktueller Problemlösung halte, sondern an der Basis, nämlich der Beziehung zwischen Mensch und Hund, arbeite. Okay, ich winde mich heraus und vorab sei schon gesagt, nachher in der Kantine wird mit Simone besprochen, dass dieses Thema außen vor bleiben wird. So, nun geschwind fünf Hunde erkannt und schon ist der Spuk vorbei. Tatsächlich habe ich überhaupt kein Zeitgefühl mehr. Die Schulglocke schrillt und die Mensch-Hund-Teams laufen nun tadellos herein und nehmen ihre Plätze ein. Die ausgesuchten Hunde erkenne ich ALLE! Mir fällt ein Stein vom Herzen. Zum Schluss werden alle noch mal nach vorne gebeten, das ist einfach ein tolles Bild. Die Hunde benehmen sich vorbildlich. So, überstanden! Produktionsleiter und Kameramänner zufrieden. Kaum wieder hinter den Kulissen steht auch schon das nächste Kamerateam bereit: Ich soll für Hallo, Deutschland und das Mittagsmagazin interviewt werden. Der Kamera-Mann macht schöne Aufnahmen von der ganzen Hundegruppe, dann nochmal einzeln von mir und meinen beiden Hunden und man versichert mir, dass ich im Interview richtig sympathisch rüberkomme. Ich bin voll entspannt, woher ich die Ruhe plötzlich nehme? Keine Ahnung, ich war vorher sooooo aufgeregt. Es ist alles so toll gelaufen, das Team ist einfach super. Eigentlich sind wir jetzt für heute ‚entlassen’, aber es gibt noch einiges zu regeln, zu besprechen, die Hunde können kurz Gassi gehen und werden dann in die Autos gepackt. So gegen 16:00 Uhr kommen wir in der Kantine nochmal zusammen, um unser Mittagessen einzunehmen. Vorher war einfach keine Zeit! Um halb neun wollen wir uns im Restaurant des Hotels treffen, um den Tag zu feiern. 04.11.2011 Der Arbeitsschutzbeauftragte, ein netter, überaus korrekter Mann, erörtert im Gespräch mit mir, wie risikobehaftet unsere Wette wohl sei. Er fragt mich, ob ich ihm garantiere, dass nichts passieren kann. Ich überlege zwei Sekunden und antworte mit ‚Nein’; denn es sind 23 Hunde, Lebewesen, für die man keine Garantie geben kann. Alle Hunde bleiben jedoch während des gesamten Aufenthalts in der Halle angeleint, fast alle Hunde haben erfolgreich die Begleithundeprüfung bestanden und mehr als die Hälfte sind geprüfte Therapiebesuchshunde’. Weiter fragt er mich, ob die vier minderjährigen Teilnehmerinnen ihre Hunde im Griff haben, ob ich alle Hunde persönlich kenne, ich antworte mit ‚Ja’, ob dies auch für die Besitzer zutrifft und ob ein Vertrauensverhältnis besteht. Hierauf antworte ich ‚Ja, mehr als das!’ Er kündigt an, dass er sich unsere Proben sehr genau anschauen wird, um sich selbst davon zu überzeugen. Währenddessen haben der echte Gottschalk (unrasiert und im Alltagslook) und die echte Hunziker bereits auf der Bühne ihre Plätze eingenommen und bekommen Regieanweisungen. Wir spitzen alle mal durch den Vorhang, um erste Eindrücke zu gewinnen. Dann geht es zurück in den Depriraum, denn wir müssen uns für die erste Probe umziehen und fertigmachen. Als Wettkandidatin habe ich natürlich meine EIGENE Garderobe: ein kleines Miniabteil ohne Spiegel. Leute! Eine Frau in einer Garderobe ohne Spiegel! Geht gar nicht! Wir lernen am Hintereingang zur Bühne noch Flo kennen, eine weitere Wettkandidaten-Betreuerin und schon geht’s los. Michelle Hunziker moderiert mich an und wieder rausche ich durch den Wetten, dass...?-Tunnel und stehe jetzt wirklich vor Michelle und Thomas. Aber alles ganz locker, ein bisschen Bla-Bla und Smalltalk, einige Überlegungen, wer wie wo wann steht und was tut und warum. Die beiden sind sehr sehr nett und nehmen mir die Nervosität. Michelle erzählt von ihrem Hund Lilly und Thomas sagt die Gruppe an: Zum Song ‚Move like Jagger’ kommt die ganze Hundegruppe auf die Bühne marschiert und nimmt auf den Bänken Platz. Thomas schäkert mit den Hunden und Damen und macht seine Sprüche, so dass jeder sich entspannen kann. So, Topp, die Wette gilt! Wieder kein Fehler! Strahl! Das wars aber noch lange nicht. Nach der ersten Durchlaufprobe wird heute gegen Abend die Generalprobe noch stattfinden. Genauer Zeitpunkt unbekannt. Einige nutzen die Zeit, um etwas zu essen, ein Foto mit David Garrett zu schießen, mit den Hunden zu spazieren bzw. fahren noch mal zum Hotel zurück. Für mich steht jetzt das Kandidatentreffen mit Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker auf dem Programm. In der Kandidatenlounge sind alle Kandidaten und deren Betreuer versammelt und Thomas und Michelle kommen hinzu, um alle kennenzulernen, Autogramme zu verteilen und Fotos zu machen. Thomas hält eine kleine Ansprache und bespricht mit jedem einzelnen Kandidat die Wette, den Ablauf, Besonderheiten usw. Danach muss ich in die Maske, um für die Generalprobe gut auszuschauen, dann noch ein Interview mit der Bild am Sonntag, puh. Mit Simone bespreche ich, dass die Gänge zwischen den Schulbänken mit einem Sandkleber bestrichen werden, um ein weiteres Rutschen zu verhindern. Unvorhersehbar waren für uns die realen Anforderungen an die Hunde: der spiegelglatte Hallenboden, auf dem wir selbst kaum mit unseren Straßenschuhen laufen können, ohne auszurutschen. Meiner Meinung nach gibt es für Hunde nichts Schlimmeres, als keinen sicheren Boden unter den Pfoten. Permanent dröhnen im Hintergrund Schleifhexen und Kreissägen und sonstige Werkzeuge der Bühnenbildner. Parallel laufen Proben der Musik-Acts, extrem schon für unsere Ohren war das Fledermaus-Kreischen und das Hallenfeuerwerk der Batman-Show. Auf der Bühne kamen die unausweichlichen Lichtstrahler hinzu. Toni, der ursprünglich als Ersatzhund ausgelost wurde, ist wieder mit von der Partie, da sich ein anderer zu stark von dieser Reizüberflutung beeindrucken ließ. Nach einer zweistündigen Pause haben sich alle wieder eingefunden und im Depri-Raum trinken wir alle zusammen ein leckeres Gläschen Wein, der von Andrea Langwerth zur Feier des Tages spendiert wurde. So, nun beginnt das Warten. Die Zeitangaben, wann wir denn dran sind für die Generalprobe, verschieben sich ständig, aber wir sind ganz locker, beim Fernsehen ist das halt so... Dann muss es plötzlich ganz schnell gehen, aber als mittlerweile erprobtes Team für uns kein Problem. Auch die Generalprobe verläuft prima, das gibt mir ein gutes Gefühl! Mittlerweile ist es schon fast 22:00 Uhr, aber für mich immer noch lange nicht Schluss, denn auch der Abschluss der Sendung mit der Vergabe des Wettkönig-Titels muss noch geprobt werden. Die meisten Hundebesitzer fahren nach dem langen Tag zurück ins Hotel, doch einige bleiben noch, und wir schauen bei den Proben von David Garrett, Udo Lindenberg, Batman und Kein Pardon zu. Und die Autogrammjagd geht los. Witzige Begegnungen mit Hape Kerkeling (Melanie kann kaum glauben, dass sie nun ein von Hape signiertes Buch besitzt – Melanie: Weiteratmen!), Dirk Bach (kleiner Mann mit großer Wirkung), Thomas Herrmann (im Lustiger Schmunzelhasekostüm) und vor allem Udo Lindenberg, (der beim Autogramme schreiben partout aus Erich ‚Eric’ machen wollte und uns mit seinem Auftritt und seiner Zigarre völlig beeindruckte) folgen Schlag auf Schlag. Eine ganz neue Welt eröffnete sich uns. Dyos, der noch bei mir ist, weil ich ihn gerne mit auf das Kandidaten-Podest nehmen möchte, wickelt die Tänzerinnen von ‚Kein Pardon’ natürlich um die Pfote, wie könnte es anders sein. Dyos ist sowieso der Held, denn auch bei der Wettkönig-Probe bleibt er ruhig, auch als das Podest hochfährt, die Musik laut wird und die Lichter von unten und oben blinken wie in der Disco. Ich bin sehr stolz auf ihn. Bei den TED-Proben werde ich Vierte, völlig willkürlich nur zum Üben, wie der Regisseur noch mal versichert. Ob das ein Omen ist? So, jetzt aber ab ins Hotel in die Bar, um in der Gruppe die ganzen Eindrücke zu verarbeiten und erlebten Geschichten zu erzählen und natürlich mit unseren erhaschten Autogrammen und Fotos zu prahlen. Der harte Kern konnte sich nicht voneinander trennen, mit wenig Alkohol, aber viel Situationskomik wurde es halb Drei... Ich halte mich natürlich ganz vorbildlich an Melissentee! Ehrlich! Morgen dürfen wir ausschlafen, denn wir müssen erst um 17:00 Uhr dort sein. Gut so! 05.11.2011 Bei mir steht noch ein Interview mit der Bildzeitung an, bevor es dann mit umziehen, schminken usw. losgeht. Als ich zum zweiten Mal in der Maske sitze, ertönt zum ersten Mal während des Warm-Ups der Applaus der ca. 3000 Zuschauer. Mir rutscht das Herz in die Hose. Das geht nicht gut! Für den Depriraum wird noch geschwind ein Spiegel organisiert und Angela (DIE Friseurin) tritt als Hairstylistin in Aktion. Die Frisuren sitzen, jetzt gehen alle in die Maske, werden von den Kostümbildnerinnen nochmals überprüft, hier und da sitzt noch ein Halstuch schief. Unsere Hunde sind natürlich auch geschniegelt und gestriegelt, die Leinen, Halsbänder und Halstücher machen mords was her, und um 20:15 Uhr zum Sendebeginn stehen wir in Reih und Glied bereit für den Auftritt. Die extremen akustischen Effekte der Batman-Show wollten wir unseren Hunden unbedingt ersparen und standen mit unseren Jacken draußen in der Kälte vor der Halle. Ich stehe direkt Backstage hinter der Bühne mit unserer Betreuerin Flo. Der Auftritt rückt immer näher. Ich sehe die Promis einen nach dem anderen an mir vorbei zur Bühne laufen.
Flo stellt mir meine Wettpatin Andrea Sawatzki vor. Wir unterhalten uns nett und stellen fest, dass wir beide sehr aufgeregt sind. Ich werde noch verkabelt und denke: Wir sind wirklich
dabei! 23 Mensch-Hund-Teams und ich in Leipzig bei Wetten, dass...? mit Thomas Gottschalk. Hammer!!! Mein Traum wird wahr! Hinter der Bühne johlen wir vor Freude und Erleichterung. Nichts ging schief! Mir wird berichtet, dass JustinTimberlake während meiner Wette hinter der Bühne stand, um sich auf seinen Auftritt vorzubereiten. Gebannt verfolgte er auf einem Bildschirm den Verlauf der Wette und war völlig begeistert. So viele Hunde und alle gut erzogen. Zum Andenken an diesen faszinierenden Abend besitze ich nun ein grünes Original-Schuluniform-Poloshirt mit sämtlichen Unterschriften aller aufgetretenen Stars: Otto, Dirk Bach, David Garrett, Wladimir Klitschko, Andrea Sawatzki, Justin Timberlake, Thomas Herrmanns, Hape Kerkeling, Udo Lindenberg, Clueso und nicht zu vergessen Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker. Die Besitzer versorgen ihre Hunde und ziehen sich wieder um. Den Rest der Sendung verfolgen die meisten in der Kandidatenlounge. Ich selbst bleibe hinter der Bühne und nehme die ersten Glückwünsche entgegen. Zum Ende der Sendung wird es noch mal spannend, schließlich steht die Wahl des Wettkönigs noch an. Mit Dyos an meiner Seite warte ich auf dem Kandidaten-Podest mit den anderen Wettkandidaten das TED-Ergebnis ab. Wieder Vierte! Schaaade, gerne wäre ich mit dem schönen neuen Auto nach Hause gefahren. Mit einem Riesen-Blumenstrauß im Arm verlasse ich die Bühne und lasse mich von meinem Fanclub feiern. Die anderen haben sich schon um alles andere gekümmert, die Kostüme wieder abgeliefert, den Aufenthaltsraum aufgeräumt. Perfekt! Jetzt kann es zur After-Show-Party gehen! Die Hunde werden ins Hotel zurückgebracht und dürfen dort im hoteleigenen Park ihren Stress ablaufen. Sie ruhen sich in den Zimmern aus, während wir alle gemeinsam zum Penta-Hotel in die Innenstadt fahren. Dort wartet ein tolles Buffet, eine Cocktail-Bar, eine Tanzfläche vieles mehr auf uns. Hape Kerkeling lässt sich kurz blicken und Clueso macht die Tanzfläche unsicher. Völlig unerwartet läuft mir der Arbeitsschutzbeauftragte vom Vortag noch mal über den Weg und meinte: ‚Perfekt gelaufen!’ Ich bedanke mich bei ihm für sein Vertrauen und er antwortet: ‚ICH habe dazu gelernt.’ Ich bin sehr stolz auf unsere Leistung. Wir feiern bis in die frühen Morgenstunden, wie es sich gehört und fallen dann in unsere Betten. Eine coole After-Show-Party! Müde, aber fröhliche Gesichter finden sich dann am Frühstückstisch ein. Jemand bringt die Bild am Sonntag, wo ein wirklich toller Artikel über mich veröffentlicht ist und um 10:30 Uhr schauen wir uns gemeinsam noch die Wiederholung der Sendung an. Und jetzt heißt es wirklich Abschied nehmen! Schon auf der Heimfahrt winkten mir andere Autofahrer zu, weil sie mich und mein Auto erkannten und Teilnehmer berichten mir davon, dass sie auf Raststätten angesprochen und erkannt wurden. Auch Tage danach werden die Teilnehmer mit ihren Hunden, die mit Stolz ihr grünes Wetten, dass...?-Hundehalstuch tragen, auf unseren Fernsehauftritt angesprochen. Zum Abschluss vielen Dank an alle, die mir die Daumen gedrückt haben, für mich angerufen haben, mich in egal welcher Weise unterstützt haben. Ich bin von den ganzen Glückwünschen und lieben Worten wirklich überwältigt. Ein wirklich herzliches Dankeschön möchte ich an Simone Barthel, unsere ZDF-Redakteurin, aussprechen. Sie hat von Anfang an an mich geglaubt und sehr für uns gekämpft. Hätte ich zu Beginn meiner Idee gewusst, wie viele Hürden wir überwinden wir mussten, damit wir mit 23 Hunden und fast 30 Personen nach Leipzig fahren können und an der Wetten, dass...?-Show teilnehmen dürfen, wäre ich noch angespannter und aufgeregter gewesen. Umso stolzer bin ich, dass wir es geschafft haben. Meinen besonderen von Herzen kommenden Dank geht an Anette Rump. Sie hat mich unentwegt und in unzähligen Übungs- und Vorbereitungsstunden unterstützt und begleitet. In immer wieder kehrenden Gesprächen, meine Angst, dass etwas schief gehen könnte, dass ich das nicht schaffe, geschmälert und war immer für mich da, wenn ich sie gebraucht habe. Schön, eine so tolle Freundin zu haben. Danke! Danke auch an die ganze Gruppe: Ihr seid wirklich tolle Menschen, schön, dass jeder einzelne von Euch dabei war. Der Zusammenhalt und die Disziplin waren vorbildlich und ich freue mich, dass hier auch richtige Freundschaften entstanden sind. Und last but not least: Unsere Hunde!!!!!! Nur die Leute, die dabei waren, können wirklich ermessen, was diese Tage für unsere Hunde bedeuteten, die vielen Eindrücke vom glatten Hallenboden über die permanente Kreissäge im Hintergrund bis zum Fledermausgekreische bei der Batman-Vorführung, die Lichteffekte und nicht zu vergessen, die Aufregung der Besitzer, die sich ja bekannterweise auf die Hunde überträgt. Alle anderen können es nur erahnen. Und sie verhielten sich ALLE vorbildlich. Kein Gebelle, kein Geraufe: Die Mensch-Hund-Bindung stand im Vordergrund und wurde noch weiter vertieft, das Vertrauen, das die Hunde ihren Besitzern schenkten, macht mich sehr stolz. Es bleibt ein unvergessliches Erlebnis für mich, das mich darin bestärkt, dass meine Philosophie zum Umgang mit Hunden der richtige Weg ist. Linksammlung: Viel Spaß damit: ZDF Mediathek: Backstage Splitter 2011 / 2012 ZDF Mediathek: Die Proben zur Show aus Leipzig ZDF Mediathek: Die Bilder der Show aus Leipzig ZDF Mediathek: Die Höhepunkte der Show aus Leipzig |
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